Internationale Anerkennung optometrischer Fortbildung

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Fortbildung hat in der deutschen Optometrie eine lange und international eng verknüpfte Tradition. Bereits früh im 20. Jahrhundert fanden Fachveranstaltungen mit deutlicher grenzüberschreitender Beteiligung statt.


So referierte Dr. Walter Mindt, damaliger Direktor der Deutschen Schule für Optik und Phototechnik – einer Vorläuferinstitution des heutigen Studiengangs Augenoptik/Optometrie an der Berliner Hochschule für Technik (BHT Berlin) – bereits 1927 auf dem International Optical (B.O.A.) Congress in Oxford zum Thema „Eyesight under modern Traffic Conditions in large Cities“.1


Ebenso belegt eine von Peter Abel organisierte Fortbildungsreise nach London im Jahr 1937 mit rund 250 deutschen Teilnehmern die frühe internationale Vernetzung.2 Auch umgekehrt war der Austausch etabliert. So stellte beim 2. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Optometrie (DGO) im Jahr 1950 in Berlin zum Beispiel der britische Kollege A. E. Turville seinen „Turville Infinity Balance Test“ vor.2


Diese Beispiele verdeutlichen: Optometrische Fortbildung in Deutschland war stets international vernetzt. Umso deutlicher tritt heute ein strukturelles Defizit hervor – die fehlende gegenseitige Anerkennung von Fortbildungsleistungen.
 

Während in Deutschland COE-Punkte etabliert sind, existieren zum Beispiel in den USA COPE-zertifizierte CE-Punkte und in Großbritannien GOC-genehmigte CPD-Modelle. Trotz partiell vergleichbarer Inhalte und Qualitätsstandards werden diese Anerkennungssysteme international bislang aber nicht ohne weiteres 1 : 1 akzeptiert.


Für Optometristinnen und Optometristen bedeutet dies einen erheblichen administrativen Mehraufwand in der nationalen Anerkennung im Ausland erworbener Fortbildungspunkte durch Fachgesellschaften und Zulassungsbehörden, insbesondere im Kontext internationaler Kongresse und Fortbildungsaktivitäten.
 

Ein früherer Versuch zur Harmonisierung von Fortbildungspunkten auf europäischer Ebene durch den European Council of Optometry and Optics (ECOO) blieb ohne nachhaltigen Erfolg. Angesichts der fortschreitenden Internationalisierung der Optometrie und der zunehmenden globalen Vernetzung im Eye-Care-Bereich erscheint ein neuer Anlauf jedoch dringend geboten.
 

Eine koordinierende Rolle könnte hierbei der World Council of Optometry (WCO) übernehmen, der auf eine lange internationale Tradition zurückblickt und 1927 in Berlin als International Optical Leage (IOL) gegründet wurde. Die Schaffung transparenter und integrierbarer Anerkennungsstrukturen wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienteren und zukunftsorientierten Fortbildungslandschaft in der Optometrie.
 


Literatur


[1] Sutcliffe, J. H. (1927). The Dioptric Bulletin: The Transaction of the British Optical Association, Printed and published by the Council of the British Optical Coucil, at Clifford’s Inn Hall, London, E.C.A.


[2] Geyer, H.U. (1988). Ein Leben für die Optometrie – Peter Abel und seine Zeit. H.H. Geyer, Fachveröffentlichungen, Fellbach.