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Optometristen: Management des Trockenen Auges

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Die Integration von moderner Technologie hilft bei der Diagnostik eines Trockenen Auges. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung bewahrt vor fortschreitendem Gewebeverlust der Meibomdrüsen und langfristigen Schäden auf der augenseitigen Oberfläche. Die Untersuchung der Meibomdrüsen und die Bewertung der einzelnen Schichten des Tränenfilms sollten daher zu einer Routineuntersuchung beim Optometristen gehören. Die Ursache eines Trockenen Auges ist multifaktoriell.1 Aufgrund der veränderten endogenen und exogenen Einflüsse wird der Stabilität des Tränenfilms immer mehr abverlangt. Zunehmende Nahtätigkeit sowie digitale Augenbelastungen (DES = digital eye strain) begünstigen ein Trockenes Auge.2,3 Studien in verschiedenen Regionen der Welt zeigen eine Prävalenz des Trockenen Auges bei Kindern und Jugendlichen von 33 Prozent in Kolumbien 4, 15 Prozent in den USA5, bis 11 Prozent in Indien sowie 34 Prozent der Erwachsenen Normalbevölkerung (111 Studienteilnehmer von 322) erfüllen die TFOS DEWS II-Diagnosekriterien des Trockenen Auges.6 Eine der weltweit umfangreichsten und aktuellen Studie wies eindeutig nach, dass die Arbeitsproduktivität sowie die Lebensqualität bei Menschen mit trockenen Augen im Vergleich zum Normal­auge abnehmen, proportional zum Schweregrad des Trockenen Auges.7

Folgende Geräte dienen der Diagnose sowie der Behandlung des Dry-Eye-Syndroms*

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* Eine Auswahl, die nicht auf Vollständigkeit geprüft ist.

Hinzukommen die kausalen Zusammenhänge zwischen Augentrockenheit und die psychologische Belastung.8,9 Umso wichtiger ist es, das Trockene Auge rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Das Behandeln und Diagnostizieren kann sowohl durch den Optometristen als auch durch einen Ophthalmologen geschehen. Besonders im Bereich der Kontaktlinsenanpassung wird das Trockene Auge und dessen Behandlung eine große Rolle spielen. Kontaktlinsenanpasser sollten sich speziell in diesem Bereich weiterbilden und aufgeschlossen gegenüber modernen Technologien sein, um den Patienten optimal beraten und behandeln zu können, vorzugsweise bevor die Physiologie eines Trockenen Auges vorangeschritten ist und auch bevor die klinischen Symptome extrem belastend für den Patienten geworden sind. Unabhängig der Auswahl des Untersuchungs-Tools ist der Optometrist auch in Zukunft auf die Verlässlichkeit und Compliance des Patienten angewiesen. Nur durch eine korrekte Einhaltung einer Therapie können Erfolge erzielt werden.

Die Verwendung von Software, die es ermöglicht, den Verlauf einzelner Therapien aufzuzeigen, erleichtert die Verlaufskontrolle und kann den Patienten am Erfolg teilhaben lassen. Vorzugsweise ist eine Technologie anzuwenden, die nach der Erstuntersuchung bei jeder Folgeuntersuchung den gleichen Bildausschnitt des vorderen Augenabschnitts sowie des ektropionierten Lides mit immer derselben Bildmarkierung festlegt, um eine Vergleichbarkeit herzustellen und dokumentieren zu können. Es ist wichtig zu differenzieren, in welcher Form ein Mangel besteht: liegt ein sekretorischer Tränenmangel vor (Mangel an Wasser und Muzinen) und/oder handelt es sich um eine Hyperevaporation und damit eine nicht optimale Lipidkomponente der Träne.10

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Fluoreszeinanfärbung beim ersten Kundenkontakt wegen Trockenheitsbeschwerden, HH-Stippen, weiblich 89 Jahre
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Lissaminanfärbung im Zuge von Dry-Eye-Beschwerden, Eingangsuntersuchung, weiblich 38 Jahre, Erosionen bulbär und Lidkante unten

Auch eine automatische Erkennung der Ausfallfläche der Meibomdrüsen erweitert den Umfang der Überprüfung, um den Stand der Therapie sicher abschätzen zu können und verbessert die Reproduzierbarkeit des Therapieerfolgs. Zur Behandlung von Patienten mit trockenen Augen gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Jede dieser Maßnahmen soll das Fortschreiten degenerativer Prozesse am Augenlid vermeiden. Unabhängig von der Methode können langfristige Veränderungen nur herbeigeführt werden, wenn eine genaue Unterweisung durch den Untersucher erfolgt sowie eine gute Compliance durch den Patienten vorhanden ist. Eine Zustandsaufnahme der Lipidschicht lässt teilweise Rückschlüsse auf die Stabilität des Tränenfilms zu. Ist diese intakt, verweilt der wässrige Anteil der Träne länger auf dem Auge, was die Verträglichkeit von Kontaktlinsen steigert und somit die Drop-out-Rate sinken lässt. Wird die Lipidschicht durch eine Therapie stabilisiert, können Beschwerden gelindert und das Wohlbefinden des Patienten verbessert werden. Die Anwendung der Meibographie unterstützt bei der Beurteilung der Meibomdrüsen-Dysfunktion.

Mit weiteren, unabhängigen Studien ließe sich klären, ob bei älteren Personen durch Tränenersatzmittelgabe ein langsamerer Ablauf in der morphologischen Entwicklung der Meibomdrüsen stattfindet. Weiterhin bliebe der Zusammenhang der morphologischen Veränderung der Drüsen zwischen dem OSDI-Score und der Tränenaufreißzeit mit der Gabe von Tränenersatzmitteln sowie weiteren Methoden zur Behandlung des Trockenen Auges zu klären. Darüber hinaus wäre es spannend, in Erfahrung zu bringen, ob neben den klinischen Symptomen auch die morphologischen Anzeichen verändert werden und wie lange dieser Zustand anhält. So könnten nachfolgende Untersuchungen in einer Doppelblindstudie testen, inwieweit es unabhängig von der Gabe eines Tränenersatzmittels Schwankungen hinsichtlich der genannten Parameter gibt.

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Literaturverzeichnis

1 Department of Ophthalmology and Visual Sciences, The Chinese University of Hong Kong, Shatin, Hong Kong, Chan, T. C., Chow, S. S., Wan, K. H., Yuen, H. K. (2019). Update on the Association between Dry Eye Disease and Meibomian Gland Dysfunction. Hong Kong Med. J.

2 Sheppard, A. L., Wolffsohn, J. S. (2018). Digital Eye Strain: Prevalence, Measurement and Amelioration. BMJ Open Ophthalmol., 3, e000146.

3 Blehm, C., Vishnu, S., Khattak, A., Mitra, S., Yee, R. W. (2005). Computer Vision Syndrome: A Review. Surv. Ophthalmol., 50, 253–262.

4 Rojas-Carabali, W., Uribe-Reina, P., Muñoz-Ortiz, J., Terreros-Dorado, J. P., Ruiz-Botero, M. E., Torres-Arias, N., Reyes-Guanes, J., Rodriguez Zarante, A., Arteaga-Rivera, J. Y., Mosos, C., Gutiérrez, Á. M., Molano-González, N., Marroquín, G., de-la-Torre, A. (2020). High Prevalence of Abnormal Ocular Surface Tests in a Healthy Pediatric Population. Clin. Ophthalmol., Volume 14, 3427–3438.

5 Tichenor, A. A., Ziemanski, J. F., Ngo, W., Nichols, J. J., Nichols, K. K. (2019). Tear Film and Meibomian Gland Characteristics in Adolescents. Cornea, 38, 1475–1482.

6 Wang, M. T. M., Muntz, A., Mamidi, B., Wolffsohn, J. S., Craig, J. P. (2021). Modifiable Lifestyle Risk Factors for Dry Eye Disease. Contact Lens Anterior Eye, 44, 101409.

7 Dana, R., Meunier, J., Markowitz, J. T., Joseph, C., Siffel, C. (2020). Patient-Reported Burden of Dry Eye Disease in the United States: Results of an Online Cross-Sectional Survey. Am. J. Ophthalmol., 216, 7–17.

8 van Tilborg, M. M., Murphy, P. J., Evans, K. S. (2017). Impact of Dry Eye Symptoms and Daily Activities in a Modern Office. Optom. Vis. Sci., 94, 688–693.

9 Stapleton, F., Alves, M., Bunya, V. Y., Jalbert, I., Lekhanont, K., Malet, F., Na, K.-S., Schaumberg, D., Uchino, M., Vehof, J.,V iso, E., Vitale, S., Jones, L. (2017). TFOS DEWS II Epidemiology Report. Ocul. Surf., 15, 334–365.

10 (2017). Kontaktlinsen Know-how, 4. Auflage.; Müller-Treiber, A., Ed.; DOZ: Heidelberg, 2017.