Rehabilitations-Optometrie

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1*Pennsylvania College of Optometry at Salus University, Philadelphia, PA, USA, Berliner Hochschule für Technik (BHT), Berlin, Germany, Optometrie Cagnolati GmbH, Duisburg, Germany

1982 veröffentlichte die US-amerikanische Association of Schools and Colleges of Optometry (ASCO) einen Ausbildungsplan mit dem Titel „Rehabilitative Optometry“.¹ ASCO beschrieb Rehabilitative Optometry dabei als den Bereich der Optometrie, der die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und professionellen Kompetenzen umfasst, um eine angemessene und kosteneffiziente Versorgung von Patienten sicherzustellen, deren visuelle Leistungsfähigkeit trotz Korrektion des Refraktionsfehlers und Einsatz standardisierter Sehhilfen nicht ausreicht, um sehbezogene Anforderungen in Beruf, Freizeit, sozialer Interaktion oder im Alltag adäquat zu bewältigen.¹

In Deutschland fand der Begriff erstmals im Jahr 1977 im Rahmen eines Fachvortrags von Herbert L. Moss, O.D., auf dem Internationalen Augen­optikerkongress in Düsseldorf Verwendung. Hier referierte der amerikanische Kollege unter dem deutschen Titel „Rehabilitations-Optometrie“ über diese Spezialisierung innerhalb der Optometrie und beschrieb und unter anderem die Versorgung eines Patienten mit einer individuell konzipierten Ptosis-Brille.²

Heute wird in den USA für diesen Bereich der Optometrie überwiegend der Begriff „Vision Rehabilitation“ verwendet. Im Juni 2019 verabschiedete das Board of Trustees der American Optometric Association (AOA) hierfür eine neue Definition. Hierunter versteht die AOA ein interdisziplinäres Versorgungssystem innerhalb der optometrischen Praxis, das sich am Modell der rehabilitationsmedizinischen Versorgung orientiert und funktionelle Behandlungsergebnisse gegenüber der alleinigen Fokussierung auf die Sehschärfe in den Vordergrund stellt.³

International gilt Vision Rehabilitation heute als interdisziplinäre Versorgungsstruktur, welche ophthalmologische, optometrische, orthoptische und rehabilitationsmedizinische Expertise integriert.⁴

Auch die aktuelle Ausgabe der OCL widmet sich mit zwei Beiträgen diesem Tätigkeitsfeld. Dazu gehören Arbeiten zur Auswirkung eines „multimodalen exzentrischen Sehtrainings auf die Lesegeschwindigkeit“ sowie zur „optometrischen und ergonomischen Versorgung am Bildschirmarbeitsplatz bei funktioneller Einäugigkeit“.

Auch die weiteren wissenschaftlichen und klinischen Beiträge der 4er OCL 2026 verdeutlichen das breite Spektrum und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Journals. Dies alles wäre ohne die engagierten Autoren und Reviewer aus den Bereichen Optometrie und Ophthalmologie nicht möglich. Die OCL versteht sich dabei als international ausgerichtete Fachzeitschrift mit deutscher Printausgabe und englischsprachigen Open-Access-Publikationen. Der wissenschaftliche Austausch mit der internationalen Fachcommunity zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Zahl internationaler Beiträge.

In diesem Sinne möchte ich mich im Namen des Editorial Boards bei allen Lesern, Autoren sowie der Industrie für die Unterstützung bedanken und wünsche allen ein gesundes und friedliches Jahr 2027.


1 Association of Schools and Colleges of Optometry (ASCO). (1982). A Plan for an Educational Program in Rehabilitative Optometry. Journal of Optometric Education, 7, 4, 13–18

2 Moss, H. L. (1977). Rehabilitations-Optometrie. Paper presented at the International Ophthalmic Optical Congress, Düsseldorf, 14–19 May. Program booklet, p. 171.

3 American Optometric Association. (2019). Vision rehabilitation: Model of care. St. Louis: American Optometric Association, https://www.aoa.org/practice/specialties/vision-rehabilitation. Referencing: 12 September 2026.

4 Roberts, P. S., Rizzo, J. R., Hreha, K., Wertheimer, J., Kaldenberg, J., Hironaka, D., Riggs, R., Colenbrander, A. (2016). A conceptual model for vision rehabilitation. J. Rehabil. Res. Dev., 253, 693-704.